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v.l.n.r. Prof. Brett Neilan and Prof. Tobias Gulder

Club of Slow-Growing Bacteria

Australischer Professor Brett Neilan zu Gast in der Abteilung von Tobias Gulder

Saarbrücken, 06. August 2025 – Brett Neilan, international renommierter Experte für cyanobakterielle Naturstoffe an der University of Newcastle, verbringt derzeit ein Sabbatical in der Abteilung Naturstoff-Biotechnologie am HIPS. Ziel seines Aufenthalts ist es, wieder stärker in die Laborarbeit und die direkte Betreuung von Nachwuchswissenschaftler:innen einzusteigen, neue methodische Ansätze kennenzulernen und Kooperationen auszubauen.

„Ich fühlte mich vom Papierkram aufgefressen und wollte zurück zur echten Forschung“, sagt Neilan. „Hier am HIPS kann ich wieder direkt mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Labor arbeiten – und gleichzeitig unglaublich viel von meinen Kolleg:innen lernen.“ Die Verbindung zwischen Neilan und dem HIPS besteht seit vielen Jahren. Ein wichtiger Bezugspunkt ist Dr. Paul D’Agostino, der nach seiner Promotion in Neilans Labor 2016 in die Arbeitsgruppe von Prof. Tobias Gulder wechselte. Seit dem Umzug von Gulder und seinem Team an das HIPS arbeitet D’Agostino in der Abteilung Naturstoff-Biotechnologie, die Gulder seit 2024 leitet. „Bretts Expertise in der Cyanobakterienforschung ergänzt unsere Arbeit perfekt“, sagt Gulder. „Gerade in Pauls Projekt entstehen dadurch spannende Synergien, die wir ohne diesen Austausch nicht hätten.“

Die Abteilung von Tobias Gulder konzentriert sich auf die gezielte Entdeckung und Optimierung bakterieller Naturstoffe mit anti-infektiver Wirkung. Hierbei werden klassische Methoden der Naturstoffchemie – wie die Kultivierung von Produzentenstämmen und die Isolierung der gebildeten Naturstoffe – mit modernen Verfahren der synthetischen Biologie und Biotechnologie kombiniert. Ein besonderes Merkmal ist die Entwicklung hocheffizienter biokatalytischer und chemo-enzymatischer Verfahren, die Enzyme als natürliche Werkzeuge nutzen, um komplexe Wirkstoffe gezielt und ressourcenschonend herzustellen oder strukturell zu verändern.

Ein aktueller Forschungsschwerpunkt sind Cyanobakterien als Quelle neuer Naturstoffe. Paul D’Agostino koordiniert in Gulders Team einen Bereich, der sich mit bisher kaum erforschten Cyanobakterien aus symbiotischen Gemeinschaften befasst, beispielsweise aus Flechten. Um deren Potenzial für die Wirkstoffforschung nutzbar zu machen, werden neue Klonierungsmethoden und biotechnologische Produktionssysteme entwickelt. Neilans langjährige Expertise in der Genetik, Biosynthese und Stoffwechselaufklärung von Cyanobakterien liefert entscheidende Impulse für diese Arbeiten. Gleichzeitig profitiert Neilan von den molekularbiologischen Plattformen am HIPS – darunter Genome Mining, Klonierungstechnologien und die ACTIMOT-Plattform – eine Vielfalt, die an kaum einem anderen Ort so gebündelt verfügbar ist.

Neilan kennt auch Prof. Rolf Müller, den wissenschaftlichen Direktor des HIPS, seit mittlerweile fast 20 Jahren. Die beiden lernten sich in den USA kennen – verbunden durch ihre Arbeit an langsam wachsenden Bakterien: Neilan an Cyanobakterien, Müller an Myxobakterien. Augenzwinkernd gründeten sie damals den „Club of Slow-Growing Bacteria“. „Brett hat in seinem Gebiet weltweit Maßstäbe gesetzt“, sagt Müller. „Dass er jetzt hier vor Ort ist, schafft spannende Möglichkeiten für neue Forschungsprojekte – und bringt gleichzeitig viel Energie und Humor ins Haus.“

Bereits vor Neilans Aufenthalt am HIPS haben er, Gulder und D’Agostino erfolgreich DAAD-geförderte Austauschprogramme genutzt, um Wissenschaftler:innen zwischen Australien und Deutschland zu entsenden. Für die Zukunft ist geplant, weitere Promovierende und Postdocs aus Neilans Arbeitsgruppe für Forschungsaufenthalte nach Saarbrücken zu bringen. „Das ist eine Win-Win-Situation“, fasst Neilan zusammen. „Wir bringen unsere Expertise in Cyanobakterienforschung ein und profitieren gleichzeitig von den außergewöhnlichen molekularbiologischen und biotechnologischen Methoden, die hier entwickelt werden.“ Mit diesem Austausch entsteht ein fruchtbares Zusammenspiel aus australischer Cyanobakterien-Expertise und deutscher Spitzenforschung in Naturstoffbiotechnologie – ein perfektes Beispiel für gelebte internationale Zusammenarbeit am HIPS.

Lucia Bernhardt

Pressekontakt

Lucia Bernhardt


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